Dynamismus und Wirtschaftsrätsel 5 Mathematizismus

Dort, wo wir die Chrematistik in ihren Gesetzen untersuchen, sind wir in der ‘Chrematonomie’. Und dort wo wir die Ökonomik in ihren allgemeinen Gesetzen untersuchen, sind wir in der Ökonomie.

Wir haben gesehen, dass die Gesetze des einfachen Wirtschaftens, also Grundlagen der ‘Ökonomie’, nicht so einfach zu finden sind, wie man das vielleicht gerne hätte. Das Gleiche gilt für die Chrematonomie. Wenn es um Abstraktionen geht, und Geld ist nichts anderes als eine Abstraktion, geschieht es sehr schnell, dass man auf Irrwege kommt. Oder dann, dass man nicht die genauen Begriffe findet, und durch solche Ungenauigkeiten an wichtigen Gabelungen vorbei steuert. So muss man in solchen Sachen viel Sorgfalt walten lassen, und auf keinen Fall versuchen, sich darin zu beeilen.

Als erstes muss zum chrematonomischen Denken gesagt werden, dass die Mathematik nicht die Methode dazu ist, wenn man das Allgemeine dazu verstehen will. Mathematik ist für das Spezielle in der Chrematistik angebracht, aber wenn man das Übergreifende, die Gesetze, untersuchen will, also die Chremato-nomie, dann muss man es meiden, irgendwelche Formeln und Gleichungen zu verwenden. Dies, weil im Wirtschaften alles zusammen hängt. Jede Wirkung wirkt sich auf alles andere aus, selbst manche Grundgesetze, und dies verunmöglicht jede wahre Mathematik. Man mag denken, dass man Formeln gebrauchen muss, um Wirtschaftsvorgänge nachvollziehen zu können, um Voraussagen machen zu können, aber das ist ein grundfalscher Gedanke.

Jede kleinste Handlung wirkt sich in der Chrematonomie auf alles andere aus: kaufe ich für zwanzig Rappen einen Kaugummi, so wirkt sich dieser eine Kauf inflationär auf das gesamte Geldwesen aus, und auch wenn diese Wirkung fast unendlich klein ist, sie ist vorhanden. Viel Geld zu tauschen, ist für eine Währung dasselbe, wie wenn für sie Geld gedruckt wird. Und Geld zu horten, und nichts auszugeben, wirkt gleich, wie wenn innerhalb einer Währung Geld vernichtet wird. Diese Wirkungen sind vorhanden, und sie sind überall vorhanden, und es gibt noch viele weitere solche Wirkungen. Weil sich hier alles auf alles auswirkt, hat man ungeheure Komplexität, wenn man dafür Mathematik zu verwenden versucht. Jedenfalls ist dies der Fall, wenn man wahrheitsgetreu sein will, und nicht vage. Reicht es einem, ein ungefähres Modell für etwas zu haben, um es für eine bestimmte Sache zu gebrauchen, so hat man natürlich einen anderen Standard. Für Wissenschaft jedoch, müssen höhere Anforderungen gelten, und aus solchen mathematizistischen Gedanken resultierende Ungenauigkeit sollte man wenn möglich meiden.

So wird hier der Einwand kommen müssen, dass doch in den Wirtschaftswissenschaften überall Mathematik angewendet wird, um jeglichste Wirkung verstehen zu können, und dass diese Wissenschaft doch eine endlose Menge an Literatur zu ihren Themen verfasst hat, und dies alles oftmals mit Mathematik unterlegt. Dazu muss gesagt werden, dass davon das Meiste Selbsttäuschung ist, jedenfalls wenn es das Allgemeine, die tieferen Gesetzmässigkeiten, betrifft. Für das Spezielle, für bestimmte Momentaufnahmen, wie das Kalkulieren eines Risikos z.B., ist Mathematik nicht nur angebracht, dort ist sie durchaus notwendig. Es gibt sehr viele Beispiele, wo Mathematik gebraucht werden muss im Wirtschaften, aber das ist jenes, das sich auf die Praxis und das Spezielle bezieht. Die Mathematik hat jedoch für das Allgemeine, für die tiefen Gesetze des Wirtschaftens, überhaupt keine Sprache. Die gesamte Wirtschaftswissenschaft der Gegenwart ist ein einziger Schatten, in dem sich bestenfalls Ansätze zu Wahrheit finden, überall dort nämlich, wo im Allgemeinen auf den Mathematizismus verzichtet wird.

So ist der Dynamismus die angebrachte Alternative, er ist fast komplett immun für jedes Mathematisieren. Und das ist durchaus ein schwieriger Gedanke, dass da gerade etwas Allgemeines nicht zu der Mathematik passt, aber so ist es mit dem Wirtschaften. Es ist eigentlich ein grosser Widerspruch, dass der Mathematizismus beim Wirtschaftswissenschaftlern gerade nicht angebracht wird, wo es doch sonst immer die tiefste Eigenschaft des Mathematizismus ist, eben das Allgemeine zusammen zu fassen.

Findet man da zum Beispiel einen Zusammenhang, eine wirtschaftliche Tätigkeit, und eine wirtschaftliche Reaktion dazu, so ist die Versuchung da, dies in eine Formel zu stecken, die zwei in ein Verhältnis zu setzen. Das Problem hierbei ist jedoch, dass da noch unendlich viele kleinere, oftmals unsichtbare Wirkungen (und daraus Rückwirkungen) geschehen, welche ihrer Unendlichkeit wegen nicht in die Formel integriert werden können. Man kann da durchaus trotzdem zu einer Formel greifen, aber diese ist notwendigerweise ungenau. Man mag denken, dass ein bestimmter Grad an Ungenauigkeit vertretbar ist, weil man doch irgendwo beginnen müsse, aber dem ist nicht so. Denn es gibt im Wirtschaften immer auch okkulte Wirkungen, für welche es keine Möglichkeit gibt, sie direkt zu sehen. Und diese Wirkungen sind oftmals grösser, oder zumindest wichtiger, als das eigentlich Beobachtete. Das können psychologische Anreize sein, die da wirken, das können Wirkungen auf die grundlegendsten chrematonomischen Gesetze sein, das kann alles Mögliche sein, und für diese Dinge braucht es keine Mathematik.

Man kann dann zu möglichst kleinen wirtschaftlichen Handlungen gehen, und da in einem ‘Mikrokosmos’ Beobachtungen machen, um irgendwelche Formeln sich da auszudenken, wo sich die Komplexität für das mathematische Formulieren überschauen lässt. Das kann man durchaus machen, aber man kann es niemals übertragen auf eine grössere Dimension, weil da die Komplexität sich sofort verfielfacht. Und mikroksmische Wirtschaftstätigkeiten für sich alleine nützen nichts, wenn sie nicht in grösserer Dimension angewendet werden können, und so sollte man auch das sein lassen. Was kümmert es die Volkswirtschaft, wenn der Peter mit dem Hans einen Apfel gegen zwei Kartoffeln tauscht, und das dann im Verhältnis von Arbeit und Produkt in einem Bruch dargestellt wird, und wenn es hoch kommt, irgendwo noch mit einer Wurzel oder einer Potenz. Das kümmert einen nur, wenn es auf grössere Dimensionen anwendbar ist. Und es ist dort für die Suche tieferer Gesetze nicht anwendbar. Es ist fast unmöglich in einer Formel für einen grösseren Raum oder eine längere Zeitachse mit genügend Sicherheit anzuwenden, um ein Gesetz daraus heraus zu ziehen.

Was aber möglich ist, ist, die Sprache mit genügend Präzision zu gebrauchen. Die Sprache verträgt Verallgemeinerung viel besser als die Mathematik, zumindest wenn es um den Wirtschaftsdynamismus geht. Durchaus ist die Mathematik auch eine Art Sprache, aber die Mathematik kann nicht so mit dem Dynamismus umgehen, wie das die Sprache kann. Schafft man mathematische Formeln zu chrematonomischen Ideen anhand von Gesetzen, welche man durch die menschliche Sprache findet, so kommt man einer Berechtigung für Mathematik im Wirtschaften noch am nächsten. Aber das bedeutet, dass man dann Mathematik um der Mathematik wegen hat, nicht weil es mehr Nutzen hat. Und so bleibt man doch besser gleich bei der Sprache.

Dass die Mathematik die bevorzugte WA ist für all die Wirtschaftswissenschaftler, hat das allgemeine Verständnis, um die wirklichen wirtschaftlichen Vorgänge, weit hinter der Wirklichkeit zurück gelassen. Da geschehen Dinge im Schattenbankensystem mit den komplexesten Derivaten, Dinge, die so vielschichtig sind, dass einzelner Mensch sie kaum noch überschauen oder auch nur verstehen kann. Und die Wirtschaftswissenschaft knübelt da unterdessen an irgendwelchen Formeln diskreter Mathematik herum, und begreift absolut gar nichts von dieser Dynamik, schon nur weil sie den Begriff ‘Geld’ mit der Existenz unzähliger Formen an Derivaten nicht quantifizieren kann. Es sind wie zwei Welten, die voneinander abgespaltet sind, obwohl sie eng zusammen hängen sollten. Und wenn da wieder Dinge geschehen, die komplett überraschen, so drückt man ein bisschen an der Formel herum, um wieder etwas zu haben, das mit den Geschehnissen so ungefähr überein stimmt, und von den tieferen Mechanismen wird weiterhin überhaupt nichts verstanden. Und wenn da einmal irgend ein gescheidter Nationalbanker kommt, und allen vorspielt, er verstünde irgendwas (z.B. ein John M. Keynes), so stehen alle mit staunenden Blicken da, und hören zu, wie die komplexen Formeln dieses Mannes irgendwas erklären sollten. Und diese Menschen sind wirklich gescheidt, da ist manchmal echte Hochbegabung, aber sie ist am falschen Platz, oder zumindest mit der falschen Methode.

Und keiner weiss, dass solche mathematizistische Methode fast im kompletten Widerspruch zum eigentlichen Thema steht. So mögen diese Formeln zu erklären versuchen, was soeben geschehen ist, aber sie stellen überhaupt keine tiefere Gesetzmässigkeiten dar. Man sollte versuchen in der höheren Wissenschaft davon wegzukommen, die Anwendbarkeit im Vordergrund zu haben, und stattdessen versuchen, die tieferen Gesetzmässigkeiten zu begreifen. Mit der Anwendbarkeit kommt man schnell in allerlei Täuschungen hinein, weil Dinge aus ganz anderen Gründen systematisch funktionieren können, als man denkt. Der Spruch “die Ausnahme ist die Regel” trifft dort zu, wo man die wirkliche Gesetzmässigkeit noch nicht gefunden hat.

Vielleicht liegt der Irrtum der Verwendung der Mathematik darin begründet, dass man aus einer Verzweiflung heraus mit dem reinen Verstandesdenken diese unvorhersehbare Wirtschaft zu begreifen versucht, um sich mit ähnlich schwer überschaubaren Formeln zu beruhigen. Vielleicht liegt der Irrtum auch darin, dass man mit dem Geld immer mit Zahlen zu tun hat, und dies doch so nah an der Mathematik liegt.

Ein weiser, der Menschheit zu wenig bekannter, Lehrer sagte einst, dass “man besser auf ein Feld ginge Kartoffeln graben, als irgendwo in der Mathematik vor dem Wirklichen zu fliehen”. Das ist ganz besonders für das Wirtschaften wahr. “Man sollte besser auf dem Kartoffelfeld eine Wurzel ziehen, als in der weltfremden Formel”. Man sollte besser den Boden unter den Füssen spüren, als irgendwohin zu entfliehen.

Versuchen wir, in die Chrematonomie einzusteigen, so müssen wir uns dieser Tatsache akut bewusst sein: dass in den WA die Mathematik die Opposition des Monadismus ist, und der Monadismus wiederum als der direkte Nachbar des Dynamismus vor uns steht. Man hat mit Mathematizismus und Dynamismus also fast einen Gegensatz. Der wirkliche Gegensatz des Dynamismus ist der Rationalismus, und vom Rationalismus hat es auch viel in den Wirtschaftswissenschaften. Mit dem Rationalismus hat man dann wirklich eine polare Opposition zum Dynamismus.

Der 6. Artikel dieser Serie, der die Frage der Chrematistik auflösen soll, ist seit einiger Zeit in Arbeit, aber er ist noch mangelhaft, und voller Ungenauigkeiten. Es ist noch nicht abzusehen, wann er bereit ist für eine Veröffentlichung.

Dynamismus und Wirtschaftsrätsel 4: Rationalismus

Es wurden im letzten Artikel viele Begriffe des Wirtschaftens auf einmal verwendet, es ist zu hoffen, dass es dennoch verständlich blieb. Wir haben gesehen, wie das Schattenbankensystem wirkt, und nun wollen wir sehen, wie sich das denn zum Dynamismus verhält – was ja ein ursprüngliches Ziel dieser Artikelserie war.

Wie ein Damm quer durch einen Bergbach, sollte der Rationalismus Ordnung bringen, und wie das Wasser versuchte der Dynamismus dies geschickt zu umgehen. Und der Dynamismus, der mit dem relativ freien Markt der westlichen Welt eine grosse Kraft anführt, hatte viel Erfolg darin, Effizienz freizusetzen. Aber was er bewirkte, wurde nicht nur von Menschen bewertet, welche sich im Dynamismus bewegen, er wurde auch von allen anderen betrachtet und bewertet. Von manchen wurde er missverstanden, von anderen wurde er aus verschiedenen Gründen als eine Gefahr angesehen. Das schwer Berechenbare am Dynamismus hat für so manchen etwas Bedrohliches an sich, und viele Rationalisten in politischen Ämtern sahen diese Bedrohung als sehr unmittelbar. So kamen Amtsträger und Entscheidungsträger in Amerika zusammen, und man beschloss, Mechanismen im Markt einzuführen, um den Dynamismus zu zähmen. In Japan hatte man schon experimentiert mit solchen Mechanismen, und diese Experimente dienten den Amerikanern als Vorbild. Der Dynamismus, der in den Augen dieser Rationalisten wirkte, wie eine sich beschleunigende, anwachsende Walze die alles zermalmte, das unter sie kam, sollte durch verschiedene Massnahmen gebändigt werden. Die Nationalbanken anderer Länder folgten dann der amerikanischen Nationalbank.

Als erstes wollte man die Krisen, welche durch den Dynamismus des ungebändigten Marktes immer wieder auftraten, abschwächen. Man wollte, dass diese Krisen weniger Schaden anrichteten. Es flösste den Entscheidungsträgern grosse Angst ein, dass ganze Länder, alleine durch das Geschehen am Markt, durch grosse, grundlegende Krisen gehen konnten, und im Willen, das Leid, das durch solche Krisen entstand, abzumildern, etwas abzufedern, half man sogenannten Nationalbanken, oder Zentralbanken, gegen diese Krisen zu wirken. Man wollte die Möglichkeit haben, Dinge wie Arbeitslosigkeit, Verringerung des Lebensstandards usw, zu einem Grad kontrollieren zu können, damit die Menschen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht so sehr leiden mussten. Man identifizierte Dinge wie Deflation oder steigende Zinssätze als Grundprobleme von Krisen, und man schuf Mittel dagegen: z.B sollte jedes Jahr eine bestimmte Inflation erreicht werden, oder in der Krise sollte ein tieferer ‘Leitzins’ dem Konsum helfen, damit der Markt nicht in eine Abwärtsspirale gerät usw. Ein tiefer Leitzins bewirkt z.B. einen günstigeren Zins für jene, die eine Hypotheke für ein Haus abschliessen.

Was der Rationalismus nicht sah, war, dass der eingeschränkte Dynamismus dadurch nicht nur gebändigt wurde, sondern auch in Probleme geriet, für welche derselbe Dynamismus aus einer Notwendigkeit heraus leider Lösungen fand, welche selber schon Probleme waren. Gleichzeitig wuchs der Dynamismus an, mit all der Unterstützung der Politik, für die Rettung allerlei ums Überleben ringender Firmen und Banken, durch das Verhindern einer Korrektur des exzessiven Marktes. Der Handlungsspielraum des Dynamismus wurde durch diese Massnahmen eingeschränkt, und er hatte im Markt, wo er seiner Natur nach einfach ein Vorrecht zu wirken hat, nicht mehr wirken können, wie er sollte. Der Markt ist seiner Natur nach dynamistisch, nicht rationalistisch.

Es ist für den Dynamismus eine wichtige Sache, in gleichem Masse das Gute wie das Schlechte zu durchleben. Die Buchhaltung hat beide Seiten zur selben Zeit, beim eigentlichen Markt, beim Dynamismus, folgen diese Dinge nacheinander. Wenn der Markt zu sehr nach oben strebt, muss er nach den Gesetzen des Dynamismus irgendwann auch wieder in die Tiefe sinken. Wenn der Markt ein bisschen nach oben strebt, muss er danach ein bisschen in die Tiefe sinken usw. Wenn der Markt stagniert, so geschieht nicht mehr viel, so ist er halt in einer Art Koma.

Wenn der Markt jedoch durch die Massnahmen von Nationalbankenpolitik Jahr für Jahr nach oben gedrückt wird, so erzwingt man Folgendes: man drängt nach und nach den Dynamismus aus dem Markt und nimmt damit dem Markt viele Möglichkeiten weg. Und so wird irgendwann überhaupt kein natürliches Wachstum mehr geschehen, und die drohende Krise wird anwachsen und anwachsen, bis sie nicht mehr zurück gehalten werden kann.

Ohne tiefer auf die Gründe einzugehen, muss man hier die Wirtschaftskrise von 2008 erwähnen. In diesem Jahr gab es einen Kollaps des Marktes, und die Nationalbanken sprangen ein. Wäre die Politik nicht eingeschritten, so wäre die Krise mit grosser Wahrscheinlichkeit durchaus noch viel schlimmer geworden. Die Politik schritt jedoch ein, und die Investitionen, welche riskant waren, mussten durch diese Entscheidung von der Allgemeinheit übernommen werden. Es gab durch dieses Einschreiten eine Art Transfer von Risiken. Die Politik hatte abzuwägen, was für die Allgemeinheit schlimmer wäre: die Risiken der Banken zu übernehmen, oder die Folgen daraus, wenn die Banken insolvent geworden wären. Daraus entstand dann der Begriff ‘systemrelevant’, und die Banken mussten von nun an einen Prozentsatz ihres Umsatzes als Reserven auf der Seite haben. Man möchte dadurch bis heute verhindern, dass die Banken in schwierigen Zeiten einfach mit leeren Händen dastehen, um dann gerettet zu werden. Dies hat dann wiederum Implikationen für die Liquidität der Banken.

Ein Nichteinschreiten der Nationalbanken hätte jedoch einen sehr wichtigen Vorteil gehabt: diejenigen Papiere, oder eben leeren Nummern, welche wenig intrinsichen, also eigenen, Wert hatten, wären durch die Krise mit ihrem wahren Wert bewertet worden. Der Markt hätte sich von den schlechten Papierprodukten trennen können. Wenn der Markt durch knappe Mittel gestresst wird, zeichnet sich ab, welche Produkte eigentlich weniger Wert haben, als man dachte. Eine wirtschaftliche Krise ist eine Art Säuberung von Produkten, welche überschätzt, überbewertet wurden. Sobald kein Überfluss mehr vorhanden ist, werden die mangelhaften Investitionen nicht mehr von den tollen Dingen, welche sie umgeben, mitgezogen. Ein solcher Frühlingsputz verhilft dem Markt, die wahren Preise zu erkennen. Die Preise gehen in einer Krise meist tiefer als sie sollten, aber dass gerade etwas übertrieben wird im Verkaufen von allerlei Dingen, ermöglicht, dass wirklich nur die wirklich profitablen Produkte und Ideen überleben. Diese ‘Säuberung’ ist für den Markt also eine Notwendigkeit zur Preisbestimmung.

Der Rationalismus gedachte in bester Absicht zu helfen, aber schuf dabei den Nährboden für noch viel grössere Probleme in der Zukunft. Diese Probleme werden kommen, weil diese schon damals überfällige Säuberung von Schundpapieren, durch die Nationalbanken gestoppt wurde.

All die Papiere, welche in 2008 gerettet wurden, allen voran die Hypothekarderivate, mit denen auf den Kauf und das erfolgreiche Abbezahlen von unzähligen Eigenheimen gewettet wurde, finden sich noch heute in Umlauf, oder im Besitz des Staates. Es waren nichts weniger als ‘Wetten auf den amerikanischen Traum’. Und diese Wetten wurden damals allesamt verloren. Und sie sind nicht einfach da liegen geblieben, wo sie vor 2008 waren, sie haben danach wie ein fauler Apfel noch viele andere, eigentlich gute Produkte angesteckt.

Dem Markt fällt es dadurch heute sehr schwer, zu unterscheiden, zwischen wertvoll, und praktisch wertlos. Es fällt dem Markt heute generell sehr schwer, den Wert von Papieren einzuschätzen. Dadurch ist es für viele Teilnehmer schwierig geworden, so zu investieren, wie sie wollen. Ist das Investitionsziel z.B. “ein bestimmtes Risiko über eine bestimmte Zeit”, so ist es heute alles andere als einfach, die dafür passenden Papiere zu finden. Wenn nicht mehr eingeschätzt werden kann, was wie viel Wert in sich birgt, so wird fast automatisch anders als beabsichtigt investiert. Und kommt dann ein Ereignis mit dem man nicht rechnet, das dann Risiken offenbart, so wird der Kollaps viel schlimmer, als wenn hohe Risiken richtig eingeschätzt worden wären.

Gegenwärtig beschleunigt sich die Expansion des Rationalismus in den Markt hinein durch das Stillegen des Marktes wegen des Koronavirus, und all der Hilfsmassnahmen, und gleichzeitig beschleunigt sich auch die Verdrängung des Dynamismus aus dem Markt heraus.

Irgendwann findet der Dynamismus zurück in den Markt, einfach weil er da hingehört. Es ist nicht möglich, einen sehr hohen Lebensstandard mit einem rationalistischen Markt zu vereinigen, auch nicht mit exzessivem Ausleihen aus der Zukunft. Es kommt eine Zeit, wo die Realität ein Equilibrium, einen Ausgleich, findet, wo sich für eine jede Übertreibung auf der langen Zeitachse von Völkern und Nationen ein Gegensatz bildet. Über längere Zeit über den Verhältnissen zu leben rächt sich eines Tages, und je länger übertrieben wird, desto schlimmer diese Rache. Wenn der Dynamismus zurück findet, so wird er kommen wie eine Naturgewalt. Alles was keine Berechtigung in der Höhe hat, wird er kraftvoll in die Tiefe reissen. Und weil der faule Apfel nach und nach nun auch alle guten Äpfel kontaminiert hat, wird der Dynamismus keinen grossen Unterschied mehr machen, zwischen gut und schlecht.

Dynamismus und Wirtschaftsrätsel 3: Schattenbanken

Im ersten Artikel wurde klar, wie sich in den Fragen des Wirtschaftens viele Unklarheiten finden. Im zweiten haben wir gesehen, wie sich das Wesen des Geldes stark verändert hat, und wie der Begriff ‘Geld’ neu definiert werden sollte. Nun gehen wir noch etwas tiefer hinein, in die etwas okkulte Welt des Bankenwesens, nämlich hin zu den ‘Schattenbanken’. Wir wollen hier sehen, was genau das ist. Hier wird auch zu sehen sein, warum wir im letzten Artikel so viel Zeit darauf angewendet haben, zu schauen, was ‘Bilanz’, und in weiterem Sinne, Buchhaltung ist. Denn im Folgenden müssen wir mit unserem Verständnis von Buchhaltung noch einen Schritt weiter gehen.

Grundlage für die Aussagen in diesem Artikel ist die Arbeit von Jeff Snider. Wer mehr über das wirkliche Wesen von Geld erfahren möchte, ist bei Snider gut aufgehoben.

Heute werden sehr viele Transaktionen in grosser Geschwindigkeit gemacht. Man geht in einen Laden, und muss nur kurz eine Karte neben ein Gerät halten, und schon hat man bezahlt. Das Bezahlen ist mit der Digitalisierung sehr effizient geworden. Es hat sehr viele Vorteile, es hat aber auch einige Nachteile. Ein Problem mit der Digitalisierung von Währung ist, dass alle Teilnehmer ‘Liquidität’ benötigen (d.h lose, bewegliche Geldmengen), um der Buchhaltung diese schnellen Transaktionen zu ermöglichen. Es gibt noch eine andere Art von digitaler Währung, welche andere Vor- und Nachteile hat wie ein digitaler schweizer Franken, oder ein digitaler Dollar, es sind dies die Kryptowährungen wie Bitcoin, Etherum, Ripple und viele andere. Diese Kryptowährung haben auch ihre Vor- und Nachteile, aber es sind andere Vor- und Nachteile wie bei den bekannten Währungen, welche auch in physischer Form, in physischem Papier, getauscht werden können.

Alle Marktteilnehmer benötigen nun Liquidität, und sie benötigen Liquidität, diese freien, ungebundenen Geldmengen, für die Buchhaltung. Haben sie die notwendige Liquidität nicht, kann die Transaktion in der Buchaltung nicht in demselben Moment verbucht werden. Die Liquidität, welche notwendig ist für die vielen schnellen Transaktionen, ist also eine Notwendigkeit der Buchhaltung.

Diese Liquidität wird im Bankenwesen erschaffen, indem man das Geld abstrahiert, d.h durch ein anderes Papier repräsentiert. Man hat also nicht mehr mit der Abstraktion ‘Geld’ zu tun, wie man das für gewöhnlich kennt, sondern mit Abstraktionen davon. Diese Abstraktionen der Abstraktion nennt man gerne ‘Derivate’.

Man kann nun sagen: “Diese Derivate haben nichts mit echtem Geld zu tun, sie verkörpern keinen echten Wert. Noch weniger, als das beim Papiergeld schon der Fall ist.” Und man hätte durchaus recht, diese Derivate verkörpern wirklich nichts mehr, aber sie wirken in all den Transaktionen dennoch wie ein Wert. Wir haben also diese Diskrepanz, wo eine in sich wertlose Sache, eine leere Nummer, eine Art Gegengewicht zu einer, zwar nicht wirklichen, aber etwas wirklicheren Sache sein muss.

Versuchen wir das zu illustrieren, und stellen uns diese Derivate als etwas vor, das mit einem Wert zusammen hängt, aber diesen nicht aufwiegen kann, so denken wir uns die Derivate als ein Schatten. Und der Körper, der diesen Schatten wirft, das ist der eigentliche Wert. Und es ist in diesem Zusammenhang ganz treffend, dass man heute in manchen Kreisen von einem ‘Schattenbankensystem‘ spricht, auch wenn darunter gerne anderes gemeint ist, als die Beziehung zwischen Derivat und dem Wert den es verkörpern soll. Der Begriff Schattenbankensystem wird gerne auf den Teil von kommerziellen Banken angewendet, der Transaktionen mit fraglichem Hintergrund ausführt, wie solche mit Geldwäschern, Steuerhinterziehern usw. Wir verwenden den Begriff Schattenbankensystem, oder Schattenbankenwesen jedoch für alle Aktivität, welche sich mit Abstraktionen von Abstraktionen beschäftigt. Derivate sind für uns wie Abstraktionen zweiter, oder noch höherer, Stufe. Geld sei uns eine Abstraktion erster Stufe. Das Schattenbankensystem ist das Bankensystem, in welchem sich Derivate in ungeheuren Mengen bewegen. Es ist aus einer Notwendigkeit heraus entstanden, weil das Geld bestimmte Funktionen erfüllen muss.

Das Schattenbankensystem ist durch den amerikansichen Dollar entstanden, den US-Dollar, der im Sommer von 1944 zusammen mit Gold, ab 1971 alleinig, d.h. ohne Gold, einer bestimmten Funktion zugewiesen wurde. Diese Funktion bezeichnet man heute als Leitwährung. Der amerikanische Dollar war ab 1944 Leitwährung. Im Sommer 1944 beschlossen die höheren Politiker einer Anzahl einflussreicher Länder, dass die Währungen der Welt über den Dollar auswechselbar sein sollten. Und der Dollar der damaligen Zeit, zwischen ’44 und ’71, war gebunden an einen festen Goldpreis. Alle Länder welche den Dollar nicht hatten, hatten damit nun eine Art Versicherung gegen eine Entwertung ihrer Dollarreserven, welche sie für den Handel gebrauchten. Im Sommer von 1971 dann lösten die Amerikaner ihren Dollar jedoch vom Gold, und der Preis des Goldes, wie auch des Dollars, waren nun wieder mehr unabhängig voneinander. So viel zu einer kurzen Geschichte der Leitwährung, welche der Dollar bis heute ist. Nach 1971 hat sich nicht viel geändert, bis 2008. 2008 war jedoch in Ereignis, welche die Dinge wieder änderte, diesmal im Hintergrund, das wird aber in diesem Artikel nicht viel näher behandelt werden können. 2008 hörte das Schattenbankensystem in seiner bisherigen Funktion auf zu wirken, es vollzog eine dringend überfällige Wandlung, welche das Nationalbankensystem bis heute mit allen Mitteln versucht zu bekämpfen, ohne es aber wirklich zu verstehen.

Solche Dinge sind sehr schwer zu untersuchen, weil sie so im Verborgenen geschehen. Da finden sich nicht irgendwelche Menschen, die bestimmte grosse Entscheidungen treffen, die bestimmte Dinge für andere Menschen beschliessen. Stattdessen findet man mit dieser okkulten Finanzwelt eine Eigendynamik, wo all die Teilnehmer lediglich versuchen, ihre Verluste möglichst gering zu halten, und entsprechend zu handeln. Man muss also über Umwege herausfinden, was da genau geschieht, und das ist in diesem Fall oftmals eine grosse Schwierigkeit.

Das Schattenbankensystem entstand also aus einer Notwendigkeit aus dem amerikansichen Dollar. Es gibt verschiedene Theorien wie genau es entstand, eine davon besagt, dass es durch die Sowjetunion entstand, welche über praktisch unsichtbare Konten in Europa Dollarmengen bewegte, um Transaktionen im Handel mit sich selbst zu vereinfachen. Dies ging offenbar so weit, dass es einen eigenen Namen bekam: das Euro-Dollar-System. Es gibt nun Theorien, welche besagen, dass daraus irgendwann ein Schattenbankensystem wuchs, aber diese Dinge geschahen sehr verdeckt und sind heute kaum nachzuvollziehen.

Das Problem für all die Händler ausserhalb Amerikas ist – wir sind nun wieder in der Gegenwart – dass es zu wenige von diesen Dollars gibt. Es sind für das Schattenbankensystem nicht genügend amerikansiche Dollars im Umlauf, mit denen noch immer ein Grossteil allen internationalen Handels vollzogen wird. Es gibt also zu wenige von diesen Dollars. Wenn aber ein jeder, der am Markt teilnimmt, Liquidität haben muss, muss jeder auch viele übrige Dollars haben. Nun könnte jeder versuchen, tatsächliche Dollars irgendwo bei sich zu lagern, aber das ist sehr teuer. Es kostet den Teilnehmer viel Geld, irgendwo eine ‘statische’ Reserve zu haben, auf die er zurückgreifen kann. Man kann hier wieder argumentieren, dass es langfristig profitabel sei, eine solche Versicherung zu haben, eine solche Reserve zu haben, aber in der Realität ist es kostspielig ein Depot zu lagern, das nichts macht. Bewegliche Mittel hingegen erlauben dem Tagesgeschäft ein stetes Einkommen, da von jeder Transaktion ein winzig kleiner Ecken abgebrochen werden kann. Man möchte im Grosshandel als Bank also so viele Transaktionen wie nur möglich machen.

Man riskiert zwar, in Probleme zu geraten, wenn in der Liquidität bei vielen Teilnehmern irgendwann durch irgendeinen Mangel auf einmal ein ‘Flaschenhals’ entsteht, d.h wenn es einmal irgendwo zu stocken beginnt, und die Dinge sich auf einmal nicht mehr bewegen können, aber dafür verliert man zumindest nicht über all die Jahre wo es irgendwie funktioniert Geld im Tagesgeschäft. Und wenn einmal Probleme entstehen, hat ohnehin wirklich jeder Teilnehmer Probleme, und da das System, dieses Schattenbankensystem, zusammen mit dem System der kommerziellen Banken in den Augen des Nationalbankensystems und der Politik in den meisten Ländern, als ‘systemrelevant’ gesehen wird, ist das Risiko, dass keine Lösung gefunden werden kann, in den Augen der Banken gering. Die Banken nutzen ihre Systemrelevanz etwas aus, aber sie sind auch dazu gezwungen, weil sie sonst zurück fallen.

Es ist also ein Dynamismus zu finden, in diesem Bankenwesen. Das Geld muss stets in Bewegung sein, sonst frisst es sich selbst auf. Ja, auch wenn in einen statischen Zustand gezwungen, verändert sich das Geld, es ‘nimmt ab’. Und wenn es sich genügend schnell bewegt, vermehrt es sich. Je schneller es sich bewegt, desto schneller vermehrt, ja multipliziert es sich. Für die ganze Währung gesehen, bezeichnet man das als ‘Umlaufgeschwindigkeit’, welche auf eine Wirtschaft diesselbe Wirkung hat, wie Geldschöpfung. ‘Inflation’ ist also auch möglich, wenn viele Menschen viel Geld hin- und her tauschen. Wer sich im Bankenwesen also nicht bewegt, der fällt sogleich zurück. Der Dynamismus ist darin also Notwendigkeit, er ist erst, was die Effizienz des Marktes ermöglicht. Dort wo der Markt beweglich ist, wird man immer Dynamismus finden, weniger Rationalismus. Den Rationalismus finden wir in der Politik, in der Politik ist der Rationalismus in der Gegenwart eher noch zuhause. Die Politik ist auch anderswo, aber viel von ihr ist gegenwärtig im Rationalismus. Und wenn die Politik mit ihrem rationalistischen Denken nun Entscheidungen fällt für den Markt, und dem Markt aus bestimmten Gründen, sei dies, um ihn in Zügellosigkeit und dergleichen zu bremsen, oder riskante Dinge zu unterbinden usw., wenn die Politik also Vorschriften macht für den Markt, so kann der Dynamismus nicht mehr alles austesten, das er vielleicht austesten möchte.

Der Markt versucht durch den Dynamismus stets die schnellsten Wege, die besten Abkürzungen zu finden, oder in anderen Worten: er versucht herauszufinden, wie er am besten effizient sein kann. Die Entscheidungen der Politik stellen sich ihm da teilweise in den Weg. Es gibt also eine Reibung zwischen der Politik und dem Markt, oder zwischen dem Rationalismus, und seinem Gegenteil, dem Dynamismus.

Rationalismus und Dynamismus sind Oppositionen, sie reiben sich aneinander. Die Wege, die der Dynamismus nun um diese rationalistischen Entscheidungen herum versucht zu finden, führen dann zu Dingen wie dem Schattenbankensystem, das, so wie es ist, eigentlich nie geplant war. Das Schattenbankensystem hat sich aus einem sich fast selbstständig gemachten Dynamismus heraus entwickelt.

Mit dem Schattenbankensystem finden wir also einen Ausweg des Dynamismus aus einer grossen politischen Entscheidung. Diese Entscheidung der Politik war, den amerikansichen Dollar aus dieser und jener Abwägung heraus zu einer, ja zu der Leitwährung zu machen. Diese Entscheidung, eine Leitwährung zu haben, ist eine der grundlegenden Ursachen für die Komplexität des modernen Bankenwesens.

Die Amerikaner nutzen den Vorteil der Leitwährung in sehr kluger Weise zu ihren Gunsten. Sie haben erkannt, wie sie den Vorteil sehr effektiv ausnutzen können. Wie dieser Handel funktioniert, kann hier vielleicht auch noch kurz erwähnt werden, es zeigt einen wichtigen Teil des Schattenbankensystems auf. Die amerikanischen Konsumenten kaufen nun Produkte über den amerikanischen Grosshandel, z.B. vom chinesischen Grosshandel. Das heisst, der amerikanische Grosshandel tauscht dem chinesischen Grosshandel Dollars gegen Produkte. Der chinesische Grosshandel kann mit diesen Dollars jedoch nichts anfangen, alle seine Ausgaben geschehen in Yuan, der chinesischen Währung. Was nun geschehen sollte, ist, dass die Banken des chinesischen Grosshandels diese Dollars im Forex platzieren, im Foreign Exchange (ein Handel wo die verschiedenen Währungen der Welt getauscht werden), um sie dort gegen die lokale Währung zu tauschen. Mit der lokalen Währung, dem Yuan, kann der chinesische Grosshandel dann seine Kosten begleichen, all seine Mitarbeiter bezahlen, die nur Yuan akzeptieren, all seine Lieferanten usw. China will den Handel jedoch nicht im Forex abschliessen, da sich der Forex auf den Wert von Währungen auswirkt. Würden die Chinesen all ihre Dollars im Forex gegen den Yuan begleichen, so würde die chinesische Währung nach und nach an Wert zunehmen, und der Dollar würde an Wert verlieren. Für die Chinesen hiesse dies, dass ihre Produkte für die Amerikaner auf einmal viel teurer würden.

Sie wollen das auf keinen Fall, sie wollen nicht, dass ihre Produkte teurer werden, und deswegen nutzen sie ein anderes System, um ihre Währung schwach zu halten. Die Amerikaner sind nämlich nicht die einzigen, die sehr klug sind, die Chinesen haben auch sehr viel Schläue. Der Forex nun, wenn genutzt, würde ein Gleichgewicht im Aussenhandel bewirken. Er bewirkt, dass sich die Währungen so aneinander anpassen, dass der Handel zu einem Gleichgewicht findet. Er hat eine sehr nützliche Funktion. Da die Amerikaner jedoch günstige Produkte wollen, und die Chinesen Arbeit wollen, haben sie sich eine Alternative zum Forex gesucht. Was nun geschieht, ist, dass die Chinesische Volksbank die Dollars nimmt, und diesen Dollars entsprechend neue Yuan schafft. Die Chinesen abstrahieren damit die Abstraktion in ihrer eigenen Weise. Die Yuan geben sie dem Grosshandel, jedoch haben sie nun sehr schnell einen gewaltigen Überschuss an Dollars. Die chinesische Volksbank geht dann zu der amerikanischen ‘Schatzkammer’ (‘Treasury’), und sie kaufen von dieser Staatsanleihen (‘Treasuries’), für den Dollarüberschuss den sie haben. Die Staatsanleihen geben den Chinesen sowohl einen kleinen Zins für die Staatsanleihen, wie auch die Möglichkeit, den Dollar zurück in seine Heimat zirkulieren zu lassen.

Und hier springt dieses beschriebene Schattenbankensystem ein, denn es kommt immer da zu Hilfe, wo die Dinge nicht wirklich Sinn machen, aber irgendwie funktionieren müssen.

Dieser Mechanismus hat sich seit 2017 begonnen, etwas abzuändern, weil die Amerikaner das Ungleichgewicht im Aussenhandel nun begonnen haben, als einen gewichtigeren Nachteil zu sehen, als es ein Vorteil ist, günstige Produkte, und damit höheren Wohlstand zu haben. Die Amerikaner haben begonnen, wieder die Produktion verrichten zu wollen, und so wollen sie nun weniger von den Chinesen konsumieren, also weniger mit den Chinesen handeln. Es ist jedoch eine unangenehme Sache, auf Wohlstand zu verzichten, und so geschieht dieses Abkoppeln nicht ohne böse Tränen.

Im nächsten Artikel wollen wir den Dynamismus neben den Rationalismus stellen, und wie sich die beiden zum Wirtschaften verhalten.

Dynamismus und Wirtschaftsrätsel 2: Geldwesen

Was ist Geld? In der Zeit vor der modernen Finanzwelt war das keine besonders schwierige Frage, es war das Mittel um ‘Wert’ zu abstrahieren und wiederzugeben; auch wenn schon diese einfache Definition wohl kaum irgendwo zu finden ist. Heute, wo man diese ursprüngliche Abstraktion selber wieder unzählige Male abstrahieren kann, hat eine solche Definition nicht mehr viel Nutzen. Es braucht eine neue Definition. Es ist eines der grössten versteckten Probleme der Gegenwart, dass es eine solche Definition, die für unsere Zeit von Nutzen wäre, schlichtweg nicht gibt. Dies, obwohl es sehr wichtig wäre, ‘Geld’ definieren zu können.

Warum ist eine Definition für Geld wichtig? Es ist unter anderem darum wichtig, eine passende Definition zu haben, weil die Märkte in der Welt mit politischen Banken zusammen hängen. Und diese politischen Banken, Nationalbanken genannt, haben Mittel, um den Wert von Geld direkt und indirekt zu beeinflussen. Und diese Banken tun dies mit grossen Beträgen, speziell wenn die Zeiten schwieriger werden. Es gibt auch andere Gründe, warum eine solche Definition wichtig ist, aber als Erstes sollten diese politischen Banken eine wahre Idee davon haben, womit sie da herum hantieren.

Das Problem, diese Definition in solcher Artikelform herzuleiten, ist, dass man einen Blick in die Vorgänge von Buchhaltung werfen muss, um zu verstehen, was Geld alles tut. Es ist nicht zu vermeiden, in dieser Sache ein bisschen technisch zu werden.

Sonst wird an dieser Stelle gerne beschrieben, wie sich die Dinge entwickelt haben, welche Begriffe verwendet wurden etc. Es sei zu diesem Thema jedoch lediglich auf die Begriffe ‘Kameralistik’ und ‘Pagatorik’ hingewiesen, für jene, welche sich etwas weiter in das Thema vertiefen möchten.

Ein Beispiel für ein solches Gleichgewicht hat man z.B. in einem Haushalt, wo die Ausgaben, die Einnahmen, und was man spart aufgeführt werden. Teil man diese drei Dinge auf die zwei Spalten auf, so hat man auf der einen Seite die Einnahmen, und auf der anderen die Ausgaben und was man spart. Was man bereits gespart hat, wird nicht aufgeführt, ausser man weiss was man damals eingenommen und ausgegeben hat, und kann so dazu ein Gegengewicht geben. Man kann das bereits Gesparte auch auf beiden Seiten mit der gleichen Zahl aufführen, so kann man das Gleichgewicht auch behalten. Diese Einteilung des Geldes auf diese zwei Seiten, gibt uns am Schluss zwei Summen, welche auf beiden Seiten diesselben sind.

Wir haben hier ein sehr einfaches Beispiel für eine Bilanz verwendet. In der Wirklichkeit können solche Bilanzen ungeheuer kompliziert werden, speziell, wenn die Buchhalter etwas verstecken wollen, und etwas auf der ‘falschen’ Seite eintragen, und dazu einen ganz bestimmten Gegenbetrag empfangen oder schicken müssen, um am Schluss die beiden Summen in gleicher Grösse hinschreiben zu können. Aber auch ehrliche Buchhaltung kann ungeheuer komplex werden. Sobald Geld ge- und entliehen wird, wird die Buchhaltung grösser und grösser. Irgendwann wird es nämlich schwierig zu wissen, auf welcher Seite ein Betrag hingeschrieben werden muss.

Wenn eine Bank einer anderen etwas ausleiht, wobei die andere zusichert, den Betrag innerhalb einer bestimmten Zeit zurück zu geben, so muss dies auf der Bilanz der einen Bank als Ausgabe aufgeführt werden, während es bei der anderen als Einnahme aufgeführt wird. Vielleicht muss die andere der einen einen Zins für die Leihe zahlen, und dieser Zins muss wieder bei beiden aufgeführt werden, bei der einen als Einnahme, bei der anderen als Ausgabe.

Nun gibt es viele Banken, und die leihen einander allerlei Arten von abstrahierten Wertschriften aus. Die Banken haben nämlich etwas ganz Widersprüchliches herausgefunden. Es ist etwas, das sofort einleuchtet, wenn man es hört oder liest, aber man kann wohl eine Weile suchen, bis man es in solch einfachen Worten woanders findet. Was die Banken herausgefunden haben, oder einfach in einer logischen Folge von Handlungen geschaffen haben, ist, dass sie durch das Abschätzen von Risiken einen Betrag mehr als eine Funktion auf einmal gleichzeitig ausführen lassen können.

Man stelle sich das so vor, dass man einen Geldschein an zwei Personen gleichzeitig ausleiht, und dafür von beiden Zinsen erhält. Für normale Menschen ist das natürlich nicht möglich, Banken können jedoch einen einzelnen wirklichen Wert theoretisch endlos oft abstrahieren, und in verschiedenste andere ‘Papiere’ stecken, solange das Risiko dazu kalkuliert und gedeckt werden kann.

Man kann sehen, wie das nicht mehr viel mit der alten Definition von Geld zu tun hat, dem einfachen Abstrahieren und Wiedergeben eines Wertes.

Man könnte hier näher beschreiben, wie viele Kategorien von Märkten es gibt, welche Nutzer diese haben, welche Finanzinstrumente sie gebrauchen, usw usf. Dies nähme jedoch kein Ende, und am Schluss wüsste man doch nicht mehr als vorher. So viel sei jedoch gesagt, um ein Gefühl für die Grösse dieser Finanzwelt zu geben: Nationalbanken, Kommerzbanken, Investmentbanken, Spekulanten, Industrien, Grosshandel, und viele weitere Teilnehmer agieren in verschiedensten Märkten gleichzeitig, mit wohl tausenden von möglichen Instrumenten, mit verschiedensten anderen Teilnehmern. Obligationen und Aktien allein, die zwei grössten Instrumente des Marktes, die wohl jeder kennt, haben schon hunderte von Formen, Verpackungen, Kombinationen und dergleichen, in welchen sie auftreten können. Und all das, als “komplexes, dynamisches System” bezeichnet, muss irgendwie in den Bilanzen festgehalten werden.

Diese Bilanz ist der zeitlich begrenzte Teil der Buchhaltung, sie bezeichnet sich als Bilanzbuchhaltung. Die Buchhaltung selber betrifft auch das Räumliche. Wenn in der Buchhaltung nun solche unüberschaubare Komplexität aufkommt, werden Fehler gemacht. Und diese Fehler können viele andere Fehler aufdecken, und wenn sie sich offenbaren, plötzliche, gewaltige Auswirkungen haben, und auch jene Bereiche betreffen, die eigentlich ganz gesund wären. Man nennt das eine Wirtschaftskrise. Die politischen Banken greifen dann gerne ein, obwohl solche Korrekturen für den Dynamismus eigentlich nicht wegzudenken sind. Und so versuchen diese politischen Banken, die jeweilige Krise abzudämpfen oder gar ganz abzuwenden. Dafür müssen sie mit den Mitteln arbeiten, welche sie auf ihrern Definitionen aufbauen. Warum genau es solche Korrekturen braucht, wird im nächsten Artikel betrachtet.

Die Komplexität der modernen Finanzwelt kann es zu einer grossen Herausforderung machen, eine Übersicht zu behalten. Man tendiert dann gerne dazu, sich in Details zu verlieren, um allen Aspekten gerecht zu werden, und alles zu berücksichtigen. Der respektvolle Umgang mit einer Sache zwingt einen fast, zu versuchen dem Thema dadurch gerecht zu werden, dass man alles in einer Idee zu vereinigen versucht. Jedoch sind solche Versuche von vornherein oftmals vergebens, weil es mit zunehmender Komplexität zunehmend schwieriger wird, die Dinge einfach zu halten und einfache, gerade Sätze machen zu können, ohne dutzende Einschübe und Relativierungen.

In dieser komplexen Welt von Finanzinstrumenten müssen wir nun eine Beschreibung finden, welche für den Begriff ‘Geld’ zutrifft.

Das ist sehr schwierig, weil dies noch immer das gewöhnliche Bargeld einschliessen muss, aber auch für alle abstraktionen von Abstraktionen gültig sein sollte.

Wir haben für die komplexen Formen von Geld nun drei Komponenten, die beachtet werden müssen. Das sind Wandel, Risiko und Gepräge. Diese drei Dinge sind nun für das ‘neue’ Geld von Bedeutung. Dieses neue Geld, das Geld das wir in der Gegenwart kennen, unterliegt allerlei Wandel über die Zeit, es verändert sich quantitativ, d.h. in der Menge, durch Leihen, es verändert sich gleichsam qualitativ, das heisst im Wert, durch die ‘Umlaufgeschwindigkeit’ und durch die veränderliche Quantität. Umlaufgeschwindigkeit ist die Anzahl Besitzerwechsel in einem bestimmten Zeitraum. Es unterliegt stetem Wandel durch den Währungshandel und Währungsspekulationen, und durch die Abhängigkeit von Preisen jener anderen Geldarten.

Risiko betrifft den spekulativen Anteil am Geld. All die Veränderungen durch den Wandel geben dem Geld ein gewisses Risiko. Dies bewirkt eine eigentlich notwendige Dezentralisierung der Geldschöpfung oder Währungsvielfalt, aber das kann an anderer Stelle vielleicht einmal näher angeschaut werden. Solches ‘freies’ Geld kann ‘versagen’ und untergehen, wenn sich die Eigner verspekulieren. In der Gegenwart gibt es noch kaum freies Geld, die Kryptowährungen sind jedoch ein erster Anfang in diese Richtung.

Das Dritte ist das Gepräge. Das ist, was aus dem Wandel und dem Risiko folgt: es ist die Frage des individuellen Eigners, ob das Geld seinen Anforderungen entspricht. Es ist die Frage dieses Eigners, ob es seine Ansprüche an Nützlichkeit, Tauschbarkeit, Verlässlichkeit, Flexibilität, Liquidität usw erfüllt. Ist es für seine Zwecke das Richtige?

Definiert sich Geld durch Wandel, Risiko und Gepräge, so deckt man sowohl alles Hochkomplexe wie auch alles Alltägliche ab.

Im nächsten Artikel werden wir neben den politischen Banken auch noch etwas näher anschauen, das wir ‘Schattenbanken’ nennen wollen.

Dynamismus und Wirtschaftsrätsel 1: Chrematistik

Diese Artikelserie untersucht die Zusammenhänge zwischen der WA des Dynamismus, und all jenen wichtigsten Gegenwartsfragen, welche wirtschaftliches Denken und Handeln betreffen.

Im Verlaufe der Serie wird auf Buchhaltung eingegangen, und so werden verschiedene Instrumente des Wirtschaftens beschrieben. Man soll jedoch nicht denken, dass sich hier auch nur annähernd Vollständigkeit findet. Begriffe wie Volatilität, Kollateral, Shorting, Swaps, Treasury Auction, und all die anderen Dinge, welche direkt verknüpft sind mit dem Geldwesen, werden hier nicht erwähnt. Das Ziel ist mit dieser Serie somit nicht, die Komplexität des gegenwärtigen Geldsystems und Wirtschaftens vereinfacht darzustellen, sondern hinzuweisen, welches ungefähre Ausmass sie hat.

Als erstes interessiert uns der Dynamismus noch nicht, wir wollen stattdessen erste ökonomische Grundlagen aufführen, dann wollen wir kurz die Haltung der Anthroposophie zu Wirtschaftsfragen anschauen, dann, in einem folgenden Artikel, die Probleme der Wirtschaftswissenschaften der Gegenwart, dann, in einem dritten Artikel, was Schattenbanken sind. Dann wollen wir sehen, wie sich die rationalistische Methodik von der dynamistischen unterscheidet, und wie sich die beiden zum Wirtschaften verhalten. Zuletzt dann kommen wir wieder zurück zu der Frage der Chrematistik und der Ökonomik, die auch hier im ersten Artikel berührt wird. Dieser letzte Artikel wird jedoch noch für einige Zeit in Bearbeitung sein, bis andere Projekte zu einem Schluss gefunden haben.

In den alten, aristotelischen Hinterlassenschaften, wo das Wirtschaften in zwei grundlegende Bereiche unterteilt wird, findet sich das ‘natürliche’ und das ‘widernatürliche’ Wirtschaften. Das natürliche Wirtschaften wird als Ökonomik, und das widernatürliche als Chrematistik bezeichnet. Die Ökonomik leitet sich von ‘Oikos’, also ‘Haus’, ab, und betrifft als erstes die Hauswirtschaft, kann von da aber weiter ausgebaut werden. Sie beschreibt das wirtschaftliche Denken und Handeln mit den Mitteln, die man braucht für das Leben. Die Ökonomik handelt von den Notwendigkeiten. Die Chrematistik hingegen dreht sich um den Erwerb von Gütern, oder anders: das Wirtschaften des Wirtschaftens wegen. Die Chrematistik dreht sich um das Geld, nicht um das vom Geld Repräsentierte. Sie dreht sich nicht um die eigentlichen Güter, sondern um die Abstraktionen davon.

Diese aristotelischen Begriffe haben durchaus Gültigkeit. Die Chrematistik ist, was sowohl die füheren, wie auch die modernen idealistischen Bewegungen zutiefst missbilligen, ohne jedoch diese ursprünglich Unterscheidung zu machen. Was die idealistischen, sozialen Bewegungen möchten, ist eine Ökonomik nach der ursprünglichen Definition, also ein Wirtschaften rund um Notwendigkeit, nicht eines rund um Vermehrung und Anreicherung.

Es ist, wenn man mit sich ehrlich ist, eigentlich ein Widerspruch dies zu wollen, weil man dadurch gleich auch weniger Mittel hat, und sich mehr gewöhnliche Arbeit aufbürdet. Man büsst mit einer einfacheren Volkswirtschaft bald etwas an Wohlstand ein, weil mit der Zeit auf einige Hilfsmittel, wie bestimmte technische Haushaltsgeräte, verzichtet werden muss, da diese ihre jeweiligen Kosten mit sich tragen. Aber es ist ein positivistischer Instinkt, der dem menschlichen Leben durchaus Sinn gibt. Man baut sich im Prinzip selber eigene, kleine Hürden, um ein sinnvolles, vielleicht bodennäheres Leben leben zu können – ein Leben, in dem man gewisse verständliche Widerstände erleben und überwinden kann.

Es ist ein sehr guter Instinkt, er gründet sich in etwas sehr Wahrem. Aber die Erkenntnis gründet sich nicht in etwas Wahrem, da ist nur dieses fast instinkthafte, versteckte Werturteil darüber, wie das Wirtschaften sein sollte, nicht wie sie ist. Und alle Erkenntnis die darauf aufbaut, hat entsprechende kleine Falschheiten in sich. So gut die sozialen Instinkte als eine Sache auch sein mögen, sie haben ihre Gefahren, wie durch die Menschheitsgeschichte zu sehen ist. Und so ist es eine gleichsam gute Sache, etwas mehr Erkenntnis in das Thema hinein zu bringen.

Wir wollen in diesem Artikel, und vielleicht auch den Folgenden, diese zwei vermischten Dinge, die Ökonomik und die Chrematistik, etwas voneinander abtrennen, und versuchen zu verstehen, was das Wirtschaften der Moderne wirklich ist, ohne sogleich zu einem Werturteil zu springen. Werturteile können zum Schluss kommen, wenn wir besser wissen, was Sache ist. Wenn aber das Werturteil schon von Beginn weg da ist, so wird man es nie bis zur eigentlichen Sache hin schaffen.

So sollte man verstehen, wie sich die Gesetze des Wirtschaftens tatsächlich verhalten, um dadurch mit etwas arbeiten zu können, das etwas Wahres wiedergibt. Die Gesetze des Wirtschaftens werden in der ‘Ökonomie’ zusammengefasst. Was ‘Oikos’ ist, wurde bereits erwähnt, es ist das ‘Haus’, ‘Nomos’ ist der altgriechische Begriff für ‘Gesetz’. So wollen wir hier ein Werturteil bis zum Schluss vermeiden, und stattdessen schauen, was solche Gesetze des Wirtschaftens sind.

Diese Gesetze des Wirtschaftens wurden schon vor einem guten Jahrhundert von der ‘österreichischen Schule der Ökonomie’, bis in die Gegenwart hinein, untersucht. Diese Schule möchte grösstmögliche ökonomische Freiheit für das Individuum, aber sie untersucht leider nicht, was dies für ungewollte Auswirkungen für eine Gesellschaft haben kann. Tiefer gehende philosophische Fragen interessieren sie nicht besonders. Ihre ökonomischen Erkenntnisse sind jedoch von grösstem Wert. Diese Schule wird zumeist, von den wenigen die davon gehört haben, gerne als extremkapitalistisch, neoliberal, oder dergleichen bezeichnet, oder verschimpft, und so hat sie nicht wirklich Anerkennung in den Wirtschaftswissenschaften, obwohl aus ihren Reihen regelmässig grosse Denker kommen. Einige der wichtigsten Ideen oder Erkenntnisse wollen wir hier aufführen. Das Folgende ist eine ‘im Sinne übernommene’ Übersetzung von sieben dieser ökonomischen Gesetze, zusammen getragen von Anton Müller, der eine Liste mit zehn grundlegenden Gesetzen erstellte. Die ursprüngliche Liste findet sich hier.

  1. Produktion kommt vor Konsum. Diese Aussage klingt so selbstverständlich, dass man denken mag, es sei überflüssig, sie überhaupt aufzuführen. Aber es untermauert das Folgende.
  2. Kosum ist das Ziel der Produktion. Produktion ist das Mittel, und der Konsum, der den Bedarf des Marktes abdeckt, ist das Ziel. Das bedeutet nicht, dass der Konsum seiner selbst Willen das Ziel ist, sondern, dass er relativ zu der Produktion ein Ziel darstellt. Auch dies mag zuerst selbstversändlich klingen, aber es wird durchaus nicht so selbstverständlich hingenommen, wenn es nicht in solch einfachen Worten da steht. Denn für viele soziale Ideen der Geschichte war die Produktion, d.h. die Arbeit, das Ziel.
  3. Produktion hat Kosten. In anderen Worten hat jede produzierte Sache Kosten hinter sich, und das bedeutet, dass keine produzierte Sache ohne Kosten ist. In anderen Worten ist keine Sache gratis; Kosten müssen immer irgendwo getragen werden.
  4. Wert ist subjektiv. Jede Sache ist für jeden Konsumenten von anderem Wert. Dies bedeutet, dass Preise nicht effizient durch eine unbeteiligte, dritte Partei bestimmt werden können, da man nicht bestimmen kann, wie ein Konsument einen Wert einschätzen soll.
  5. Produktivität bestimmt den Lohn. Konkurrenz um geringere Kosten treibt die Löhne nach unten, gleichzeitig aber treibt die Konkurrenz um gute Arbeiter die Löhne nach oben, bis der Lohn die Produktivität ungefähr abdeckt, und sich das Ganze etwas einbalanciert. Dies jedenfalls, solange diese natürliche Bewegung nicht durch eine weitere, äussere Kraft beeinflusst wird.
  6. Geld ist nicht Wohlstand. Der Wert von Geld besteht aus seiner Kaufkraft. Wohlstand kann nicht vermehrt werden, indem man Geld vermehrt. Die Vermehrung von Geld verringert lediglich dessen Kaufkraft.
  7. Arbeit schafft nicht Wert. Arbeit mag Produkte schaffen, aber der Wert eines Produktes ist abhängig von seiner Nützlichkeit (wie auch seiner Seltenheit). Nützlichkeit wiederum hängt von der subjektiven Einschätzung eines individuellen Konsumenten ab. Der Wert eines Produktes existiert unabhängig vom Aufwand, um es zu erstellen.

Es gibt noch unzählige weitere Gesetze, welche hier aufgeführt werden könnten. Die Obigen sind jedoch für unsere Zwecke erstmals mehr als genügend.

— — —

Nun zu der Frage, wie sich die Anthroposophie zum Wirtschaften verhält. Vielleicht ist es nicht berechtigt, zu sagen, die Anthroposophie verhalte sich in dieser oder jenen bestimmten Weise zu ökonomischen Fragen. Dennoch muss von etwas ausgegangen werden, wenn man wissen will, wie sich die Anthroposophie zu einer Sache verhält. Und so gehen wir hier vom ‘nationalökonomischen Kurs’ und vom ‘nationalökonomischen Seminar’ aus, wo Steiner seine Ideen für das Volkswirtschaften vorstellt.

Was ist die Haltung der Anthroposophie zu Wirtschaftsfragen? Wenn es um wirtschaftliches Denken geht, so findet sich bei Steiner eine für ihn ungewöhnliche Haltung. Da wird nicht wirklich wertfrei untersucht, was die tieferen Bewegungen des Wirtschaftens ausmachen, sondern viel eher, wie sich diese verhalten sollten, genauer, wie sie sozial sein sollten. Jedes ökonomische Untersuchen hat in diesen Vorträgen bereits dieses unterschwellige Urteilen eingebaut, und es kommen dadurch überall diese kleinen Ungenauigkeiten hervor. Es ist durchaus etwas Unangenehmes, Steiner so zu kritisieren, aber man täte ihm bestimmt kaum einen Gefallen, offenbare, bessere Gedanken nur aus einem Respekt zurück zu halten.

Was wir da in diesen Vorträgen finden, sind Versuche, das Wirtschaften so zu gestalten, dass es der ‘Ökonomik’ in aristotelischem Sinne entspricht. Es ist also eine Art ‘Hauswirtschaft’, welche jedoch auf viele Menschen, z.B. auf Städte, vielleicht auf ein ganzes Land, übertragen werden will. Das ist alles andere als ein einfaches Unterfangen, und deswegen muss mit grösster Vorsicht vorgegangen werden. Weil in diesen Vorträgen zur Nationalökonomie die Grundlage, die Grundannahme, wie wir sehen werden, keine gute ist, ist es sehr schwierig, dieses Buch mit einem wachen Bewusstsein zu lesen, weil sich da überall diese kleinen Ungenauigkeiten verstecken.

Eine zentrale Aussage wird da z.B. über den Preis gemacht, so sagt Steiner: ein richtiger Preis ist dann vorhanden, wenn jemand für ein Erzeugnis, das er verfertigt hat, so viel als Gegenwert bekommt, als dass er die Summe seiner notwendigen Bedürfnisse befriedigen kann, bis er wiederum ein gleiches Produkt verfertigt haben wird. Das sagt Steiner zum Preis. Liest man so etwas, drängt sich einem überall das Gefühl auf, dass da allerlei Unstimmigkeiten seien. Schaut man sich das genauer an, so kommen viele Fragen auf. So muss dazu als erstes gefragt werden: kann es das überhaupt geben, einen ‘richtigen’ Preis, wenn wir oben doch gesehen haben, wie der Preis, als der in einer bestimmten Menge ausgedrückte Wert, etwas Subjektives ist? Denn bei Punkt vier wird oben gesagt: ‘Wert ist subjektiv’.

Weiter wird bei Punkt sieben gesagt: ‘Arbeit schafft nicht Wert’. Warum also soll einem Menschen ein ‘richtiger Preis’ zustehen, wenn sein Erzeugnis zwar vielleicht für ihn von Wert ist, dies aber keinem anderen so vorkommt, und niemand dafür etwas tauschen möchte? Da haben wir als den Preis den die Käufer bereit wären zu zahlen, vielleicht ‘nichts’. Wie soll unser ‘jemand’ nun, dieser Definition gemäss, von nichts leben? Da haben wir einen jener kleinen Fehler in der Definition. Und wie soll das messbar sein, das Abdecken der Bedürfnisse, bis das nächste Produkt gefertigt ist? Da kann einer endlos viele Bedürfnisse zwischen den zwei Produkten haben, da kann einer sehr langsam arbeiten, da kann einer unnötig penibel arbeiten, da kann einer auf einmal sehr hohe Ausgaben für einen Notfall haben – soll sich das alles auf den Preis seines Produktes aufschlagen, anstatt dass man sich einfach nach den Bedürfnissen der Käufer richtet?

Hier wird durch die Ungenauigkeit unbewusst versucht, tausende Dinge zu definieren, die überhaupt nicht definiert werden müssen. Es führt zu einer theoretisch unendlichen Komplexität. Warum bildet man sich stattdessen nicht so einfache Begriffe, wie das die Libertären machen? Die versuchen, zuerst saubere Grunannahmen zu haben, bevor sie beginnen, Dinge zu definieren. Man findet unzählige solcher kleinen Fehler und Ungenauigkeiten, durch das ganze Buch hindurch, zumindest dort, wo klare Aussagen gemacht werden. Mit Hilfe obiger sieben Punkte wird man sich darin mit etwas mehr Sicherheit orientieren können, und viele von diesen Ungenauigkeiten auszumachen wissen. Aber hier sei nicht der Ort, um näher auf diese Dinge einzugehen.

Man kommt bei solchen Gedanken, wie in den nationalökonomischen Vorträgen vorgestellt, das Gefühl nicht los, dass da eigentlich versucht wird, nur andere Theorien zu widerlegen oder anzupassen. Wie z.B. jene tatsächlich fehlerhaften Theorien von Adam Smith und anderen Wirtschaftsdenkern jener Zeit. Und Steiners Denken geht da durchaus weiter, aber er ändert an den Grundannahmen nichts, und so ziehen sich viele alte Fehler mit. Da wird also versucht, sie mit den gleichen Mitteln zu widerlegen, die sie genutzt haben. Aber diese Mittel sind aus der Sicht der WA, des Dynamismus nämlich, selber schon die Falschen, wie wir in dieser Artikelserie sehen werden.

Es ist schwer zu sagen, wie eine echte Ökonomik aussehen sollte. Es stellt sich dann die Frage, ob eine solche Ökonomik für eine Nation, oder sonst etwas mit solcher Grösse, überhaupt angemessen ist, ganz unabhängig davon, ob es überhaupt möglich ist. Vielleicht muss man sich damit abfinden, dass nur die widernatürliche Chrematistik für eine grössere Gruppe an Menschen, die sich nicht kennen, aber miteinander interagieren, möglich ist. Dass also ein Wirtschaften mit allerlei Abstraktionen schlichtweg jene Notwendigkeit ist, die man lieber mit dem ‘Wirtschaften mit dem Notwendigen’ in der Ökonomik sehen würde.

So wäre es eher eine ‘Chrematonomie’, die man untersuchen sollte, als eine Ökonomie. Und wenn man die Chrematonomie erst mal etwas besser versteht, kann man schon dazu über gehen, zu versuchen, diese Chrematonomie zu ‘ökonomisieren’, also auf ein Notwendiges zu beschränken, und damit den Exzess, dieses Anreichern, daraus weg zu nehmen. Dies sollte jedoch geschehen, ohne dass den Menschen Schaden angetan wird, wie das bisher durch manche radikale soziale Ideen geschehen ist.

Pierre Alizé über Kraft

Pierre Alizé ist einer jener äusserst seltenen Denker, welche verstehen, sich selbstständige Gedanken zu formen. Er hat die in der modernen Welt ungewöhnliche Fähigkeit, sich von der Welt die ihn umgibt, abzutrennen, und Gedanken in sich wirken zu lassen, die er draussen nur in milder Form, oder gar nicht, vorfindet. Geduldig wartet er, bis sich die Gedanken in ihm geformt haben, dann erst werden sie mitgeteilt. Erkenntnis hat ihm keine Eile.

Macht ein Mensch einen Lebenswandel, so muss das nicht heissen, dass er durch das Alter nun seinem wahren Wesen auf die Spur gekommen ist. Ein Lebenswandel kann aus verschiedensten Gründen geschehen. Und dort wo ein Lebenswandel mit den WA zusammen hängt, hat es zumeist eher damit zu tun, dass da ein Mensch, der sich selbst bereits gut kannte, und seine eigenen Gedanken pflegte, im Verlauf seines Lebens den Schritt von einer WA zur nächsten machen musste. Und manche solcher Menschen, die ihre eigenen Gedanken haben, werden Schwierigkeiten haben mit der WA, zu der sie an jenem Abschnitt im Leben gehen sollten, und so findet sich, dass jener sich wandelnde Mensch irgendwo nicht mehr weiter kann, wo er hätte weiter gehen sollen, und den Weg auf die gegenüberliegende Seite für einfacher befindet.

Alizé ist nun einer, der im vergleich zu den meisten anderen Menschen eine sehr besondere Sicht auf die Welt hat. Man wird diesen Menschen nicht ein einziges schlechtes Wort über eine Sache, einen Menschen, oder gar ein Thema sagen hören. Er sieht die Wunder der Welt, er sieht, wie alles wirkt und tätig ist. Er wird zwar Kritik üben, aber nur, wo sich etwas findet, das darin gehindert wird, die eigene Schönheit, die eigenen Wunder zu zeigen. Wenn Schülern mancher Denkschulen Unsinn erzählt wird, so wird er an Beispielen benennen, was der Unsinn ist. Jedoch ist es ein Vorzug seines Wesens, die Dinge so zu sagen, dass die andere Seite stets die Freiheit hat, sich darauf einzulassen, oder weiter Unfug zu betreiben.

Alizé hat sich nun allerlei Beobachtungen notiert, und sich Gedanken zu diesen Beobachtungen gemacht, nachdem er sich alles Mögliche in den Naturwissenschaften in Ruhe genau angeschaut hat. Und er hat einen scharfen Blick dafür zu sehen, wenn er ein Modell vor sich hat, das in geschickter Weise einen Bogen um die Wirklichkeit machen muss, weil die tiefer liegende Methode mit dieser Wirklichkeit nicht so recht klar kommt. Diese kriecherischen Modelle sieht Alizé, und er ergreift sie, und benennt, wo sie die Tatsachen verschleiern, indem z.B. Worte eine Bedeutung verzerren, auslassen oder übertreiben.

Eine jener Ideen ist eine, von der man sich nicht mehr lösen kann, wenn man sie erst einmal gehört hat. Und diese betrifft die Kraft, den Begriff der Kraft. In der Physik wird dafür nun gerne der Buchstabe ‘F’ verwendet, für ‘Force’. So wird F in eine Formel gestellt, z.B. F=m*g, Kraft ist Masse mal Gravitation. Nach Alizé beschreibt man mit diesem F jedoch gleich drei Dinge auf einmal: man beschreibt den Angriffspunkt, die Richtung, und die Betragsgrösse. Jedoch hat man mit dem Begriff ‘Kraft’ nur das Recht, die Betragsgrösse zu beschreiben, die anderen beiden Dinge passen hier nicht hinein. Was hat Kraft auch noch die Richtung zu beschreiben, in die sie wirkt? Hier werden in den Begriffen Dinge vermischt, welche getrennt gehören. Alizé sagt nun nicht, dass es einen bestimmten Grund gibt, warum die Wissenschaft das in der Physik so macht, aber es ist implizit da: der Grund ist, dass die Physik Kraft an sich von Materie ausgehend sehen will, nicht vom Lebendigen. Dies, weil die Physik nur den Materialismus anerkennt, und zumeist auch aus dem Materialismus, oder direkten Nachbarn dessen, kommt.

Wir kennen drei Zustände der Materie: fest, flüssig und gasförmig. Kraft ist keines von allen drei.

[…]

Kraft ist nicht Raum und befindet sich nicht im Raum, sondern ist etwas, das sich in irgendeiner Weise im Raum manifestiert bzw. offenbart. Wenn wir auf diese Weise denken, stossen wir unweigerlich an die Grenze des naturwissenschaftlichen Denkens.

Pierre Alizé, Hinausgehen über das räumliche Systemdenken, Kapitel: Nun ein wenig über das Nicht-Raum-Phänomen (S. 21)

Weiter:

Wenn wir umgangssprachlich das Wort Kraft benutzen, meinen wir eigentlich ein gewisses Mass von Kraftwirkung. Der Begriff Kraft wird auch in der Wissenschaft verwendet, ihre Begrifflichkeit beschränkt sich jedoch auf die Bezeichnung F (von engl. «force») und die Zuordnung dreier Eigenschaften, wie Richtung, Angriffspunkt und den Betrag der Kraft (Einheit Newton N). Ich würde hier gerne die Bedeutung und damit die Begriffsdefinition etwas klarer herausarbeiten. Das Wort «Kraft» drückt vornehmlich die Grösse der Kraft aus. Mehr ist im Wort selbst nicht enthalten. Erst der Begriff «Kraftwirkung» umfasst auch seine beiden anderen Eigenschaften Richtung und Angriffspunkt. Die Unterscheidung von «Kraft» und «Kraftwirkung» ist präziser, so dass es im Dienste der Klarheit vernünftig wäre, diesen vollständigeren Begriff in der Physik zusätzlich mitaufzunehmen. Ein anderer Begriff für «Kraftwirkung» ist «Kraftwirksamkeit», wobei der erste mehr den Prozess einer Form- oder Bewegungsänderung meint und der zweite sich mehr in einem abstrakten Sinn auf die entsprechende Tatsache bezieht. Es ist grundsätzlich wichtig, darauf zu achten, dass die Begriffe in der Wissenschaft eindeutig und zutreffend gewählt sind, die Form dem Inhalt entspricht und die Worte selbst die Imagination der Realität und auch die damit verbundenen Gefühle hervorrufen.

[…]

Wenn jemand viel Kraft hat, versteht man darunter, dass diese Person stark ist. Das Starksein ist also eines der Merkmale dieser Person. Die Grösse der Kraft bezeichnet in diesem Zusammenhang einfach die Quantität, steht also dafür, wie stark jemand ist. Das Wirken der Kraft wiederum kann nur von einem Wesen oder einer Wesenheit ausgehen, von einem Menschen bei jeglichem körperlichen Tun, von einem Tier, z.B. einem Ochsen im Pflug, unsichtbaren Wesen wie z.B. Bakterien und Viren und anderen… Kraftwirkung oder auch Kraftwirksamkeit ist also immer der Ausdruck eines Willens, anders gesagt einer Willensäusserung. Es klingt sehr vage und unbestimmt, wenn man sagt, dass die Kraft wirkt. Ausserdem wird die Kraft auf diese Weise personifiziert, was wie gesagt falsch ist. Besser ist es also zu sagen, dass eine Kraftwirkung vorhanden ist. Das weist zugleich darauf hin, dass es ist nicht die Kraft ist, die wirkt, sondern das Wesen oder die Wesenheit mit einer bestimmten Kraft, das oder die durch etwas oder auf etwas wirkt. Die Materie selbst ist nicht im Stande dazu, nicht in der Lage zu wirken. Man hat etwas aus der Wissenschaft herausgenommen, was unentbehrlich dazu gehört. Eine Kraft ist immaterieller Natur, nicht, wie in einigen anthroposophischen Kreisen behauptet wird, dass es materielle und spirituelle bzw. geistige Kräfte gäbe. Ich beziehe mich hier nicht auf die Anthroposophie selber, sondern auf Menschen, die versuchen, durch Anthroposophie etwas zu erklären, was sie selbst nicht ganz verstehen und was Rudolf Steiner nicht gemeint hat. Es gibt sehr unterschiedliche Kräfte, aber ihrem Ursprung nach sind sie alle immateriell. Die entsprechenden Kraftwirkungen sind immer die Manifestation bzw. Offenbarung des Willens bestimmter Wesenheiten oder des Wesens eines Menschen. Die Begriffe Kraftwirkung und Kraftwirksamkeit können übrigens auch als Kräftewirkung und Kräftewirksamkeit in einer Art innerem Plural vorkommen, je nachdem ob es sich um eine oder mehrere Willensäusserungen handelt, die die jeweilige Wesenheit kundtun möchte.

Pierre Alizé, Hinausgehen über das räumliche Systemdenken, Kapitel: Zum Begriff “Kraft” und verwandten Begriffen (ab S. 64)

Das erste Buch, “Hinausgehen über das räumliche Systemdenken”, wurde überarbeitet, und ist nun eine Schatzkiste an Sätzen, die in erstaunlicher Kürze Widersprüche materialistischer Einseitigkeit blosstellen. Er übt seine Kritik nicht als ein Künstler oder Philosophe, sondern als einer, der sich sein ganzes Leben eingehend naturwissenschaftlich tätigte, und Themen von Mathematik und Physik mit grosser Vorsicht erstens sowohl in einer sowjetischen Universität und für die Landesverteidigung (um ein schönes Wort zu verwenden), zweitens als Lehrer und drittens über Jahrzehnte privat studierte.


Hier noch etwas Werbung für Alizé. Im Total werden es sieben Bücher sein. Der erste Band ist für mich der interessanteste. Ein jedes Buch hat sein Thema, von eins bis sechs gehen sie immer mehr in Richtung Spiritualismus und Pneumatismus, wobei der siebte Band alles Vorhergehende für ein Zukunftsbild abrundet.

Buch 1: Hinausgehen über das räumliche Systemdenken: https://www.bod.de/buchshop/hinausgehen-ueber-das-raeumliche-systemdenken-pierre-alize-9783755777403

Buch 2: Aufschwung auf die neue Stufe des Fühlens: https://www.bod.de/buchshop/aufschwung-auf-die-neue-stufe-des-fuehlens-durch-das-prisma-des-neuen-denkens-9783753443263

Buch 3: Systemdenken auflösen: https://www.bod.de/buchshop/systemdenken-aufloesen-an-beispielen-aus-allen-bereichen-des-lebens-9783753443003

Buch 4: Aufstieg zum Bewusstsein der Weltenprozesse: https://www.bod.de/buchshop/aufstieg-zum-bewusstsein-der-weltprozesse-pierre-alize-9783753426761

Buch 5: Handbuch für spirituelle Rückführungen in Vorleben: https://www.bod.de/buchshop/handbuch-fuer-spirituelle-rueckfuehrungen-in-vorleben-posobije-po-duchovnoj-regressii-v-proschlye-shisni-pierre-alize-9783753444208

Buch 6: Über die göttliche Führung: (in Arbeit)

Buch 7: Wiedervereinigung von Wissenschaft, Religion und Schöpfertum: https://www.bod.de/buchshop/wiedervereinigung-von-wissenschaft-religion-und-schoepfertum-pierre-alize-9783753482330

Zum Dynamismus

Wie auch mit dem Monadismus kann man leicht eine Vorstellung vom Dynamismus haben, die mit dem Dynamismus nur Verwandtschaft hat, ihn jedoch nicht wirklich treffend abbilden kann. Den Dynamismus sollte man sich nicht als jene WA vorstellen, in dem Kräfte in ihrer höchsten, stärksten Form sich zeigen, miteinander ringen usw. Ein solches Bild gehört dem Dynamismus zwar zu, aber es ist nicht sein eigentliches Wesen.

Das Grundprinzip des Dynamismus ist Wandlung. Es ist nicht Wandlung einer Sache in ihrer Grösse, es ist eher Wandlung in der Qualität. Es geht weniger darum, wie z.B. ein Keimling zur Pflanze erwächst, sondern eher darum, wie etwas aus der geistigen Welt den Weg zur physischen Welt findet, wie sich in der physischen Welt dadurch etwas bemerkbar macht, das ohne das Geistige noch nicht vorhanden war.

Verstehen wir den Kern, die ursprünglichste, individuelle, ihrem wirklichen Wesen ähnlichste Form von ‘Kraft’ im Monadismus, so können wir jene Kraft auf ihrem Weg fast bis hin zum Materialismus begleiten. Nehmen wir dazu das Beispiel einer Pflanze, so haben wir ein anschauliches Bild dafür.

Im Monadismus sind wir noch ganz in der geistigen Welt. Wir haben im Monadismus etwas, das nicht räumlich, und dadurch schwer zu beschreiben ist. Um ein ‘Bild’ zu haben, braucht man jedoch Räumlichkeit, weil das menschliche Vorstellen so funktioniert. So ist der bildliche Vergleich einer, der der Idee dahinter schon durch seine ‘Bildlichkeit’ widerspricht, und den man sich dadurch innerlich mit Vorsicht vorstellen sollte. Stellt man sich eine Monade vor, so sollte man sich etwas denken, das sich zu seinem Zentrum hin verdichtet, und nach aussen immer dünner wird. Der innerste Punkt ist der hellste, und vom Zentrum weg wird die Monade immer blasser. Stellt man sich die Monade als Kugel vor, so hat man ein Bild, das mit der Idee der Monade schwer vereinbar ist, weil man sich mit einer Kugel dann noch mehr im Räumlichen findet.

Von diesem geistigen Kern der Monade gehen wir nun zum Dynamismus. Der Dynamismus ist nun der erste Punkt, wo etwas Körperliches mit etwas Geistigem zusammen kommt. Der Dynamismus ist die erste Stufe des Verkörperten. Beim Monadismus ist man noch beim Geistigen, beim Dynamismus wird erstmals etwas umgesetzt, was ohne Materie nicht so angegangen werden kann, wie es mit Materie zusammen möglich ist. Der Dynamismus beschreibt dadurch die Umwandlung einer nur geistigen Kraft in etwas, das in Verbindung mit der physischen Welt zutage tritt. Dieses Hineinwirken der geistigen Kraft zum Körperlichen ist so lange wirklich Dynamismus, wie diese Transformation anhält. Ist jedoch die Kraft einmal da, hat der Körper also sein Potential erreicht, so verabschieden wir uns vom Dynamismus, und gehen langsam, über die die WA dazwischen, wie dem Phänomenalismus, immer näher zum Materialismus, ohne diesen aus der Sicht der Kraft aber je wirklich zu erreichen. Beim reinen Materialismus haben wir keine Kräfte mehr, sondern, etwas stark ausgedrückt, tote Körper. Alle Bewegung dieser toten Körper muss etwas hinzu nehmen, das nicht mehr alleine dem Materialismus zugehören kann, sondern auch an anderen WA teilhat.

Der Punkt, wo also der Keim einer Pflanze etwas aus der geistigen Welt aufnimmt, wo eine Monade in den Keim geht, und diesen zu etwas Lebendigem werden lässt, und über das Wachstum des Keims über den Keimling bis zur Pflanze sich die Monade immer mehr selber in der äusseren Welt zeigen kann, über diesen Ablauf haben wir den Dynamismus. Vom Dynamismus ist auch vorher etwas da, und es ist auch noch bei der erwachsenen Pflanze etwas von ihm vorhanden, aber sein Haupwirken ist vor allem in der Verkörperung und im ersten Wachstum.

Gehen wir nun weiter in Richtung Materialismus mit der Pflanze, so kommen wir nach dem Dynamismus nun zum Realismus. Beim Realismus finden wir den Hauptteil des Wachstums, die Pflanze zeigt sich nun, ist sichtbar, man kann sie abgrenzen von der Umwelt. Gehen wir weiter zum Phänomenalismus, so finden wir da die erste Blüte. Und gehen wir noch weiter, zum Sensualismus, so finden hier die volle Blüte, die ganze Pracht, der ganze Stolz der Pflanze. Beim Materialismus ist die Üppigkeit dann schon über ihren Gipfel hinüber, einige ‘späte’ Pflanzen werden hier noch ihre Schönheit zeigen. Und von da an herbstet es dann.

Diese Reihenfolge folgt nicht dem Ablauf der Tierkreiszeichen, die den jeweiligen WA zugehören. Mit diesem Bild will der Kosmos nicht abgebildet, sondern ein Vergleich geschaffen werden, den man gebrauchen kann, um sich die WA besser vorstellen zu können.

Der Dynamismus möchte den Hauptteil der Veränderung vom einen Extremzustand zum nächsten begleiten. Er beginnt beim einen extremen Zustand, und begleitet die Transformation zum anderen extremen Zustand derselben Sache. Wie der Fährmann, der seine Fähre vom einen Ufer zum anderen führt: schaut er gegen die Fahrtrichtung, so zieht er seinen Stecken mit Kraft oben durch zu sich, und hebt ihn dann aus dem Wasser, um den Stecken dann unten durch von sich gehen zu lassen. Der Dynamismus nimmt den einen Zustand auf, nimmt ihn zu sich, und entlässt ihn dann fort. Der Dynamismus nimmt das Wesen auf, transformiert es, und lässt es wieder ab. Vielleicht nimmt er das Wesen zweier Dinge auf, verbindet diese, und lässt beide in entgegen gesetzter Richtung gehen. In welche Richtung eine Transformation auch geschehen mag, nichts verbleibt länger beim Dynamismus, und nichts kann beim Dynamismus sein, ohne sich zu transformieren.

Bei manchen Menschen, welche ihr Geschlecht umwandeln, findet sich ein solcher Dynamismus, dass da weniger ein Bedürfnis, einem anderen Geschlecht anzugehören besteht, als vielmehr der Wunsch, den Zustand der Wandlung, der Zustand dazwischen zu erleben. Ist der andere extreme Zustand eingetreten, so verbleibt der Wunsch nach der Transformation, den sie dann als einen Wunsch, sich zurück zu transformieren auffassen. Und sie schämen sich, und fühlen sich wie Betrüger, weil sie scheinbar wieder zurück wollen. Ihr wirkliches Ziel ist jedoch nicht der andere Extremzustand, sondern der ambivalente Zustand dazwischen.

Der Dynamismus ist entweder am ziehen oder drücken, oder er ist am empfangen und verabschieden. Nie verbleibt etwas, ohne am Kommen oder Gehen zu sein. Das macht den Dynamismus zu einer Art Türe, oder einem Bahnhof, oder sonst einen Ort, wo man sich selten länger aufhält.

Der Dynamismus gehört zu jenen Stunden vor dem Sonnenaufgang, wo noch alles dunkel und kalt ist. Es sind jene Stunden, wo im ätherischen vieles geschieht, ohne äusserlich sichtbar zu sein. Wasser wirkt als Kraft durch die Luft und den Boden in den Stunden zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang auf die Pflanzen ein. Auf der 24-Stunden-Uhr kann man den Dynamismus der Zeit zwischen 0300 und 0500 zuweisen. Im Jahreslauf der Natur kann man den Dynamismus (unabhängig von den Tierkreiszeichen) dem Monat Februar zuweisen. Bei der Tagundnachtgleiche sind wir beim März, beim Realismus.

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Herzlich willkommen zu dynamismus.me!

Da die Hauptseite weltanschauung.org so langsam mit ihren vielzähligen Aufgaben an ihre Grenzen kommt, und mit Themen überladen wird, habe ich einige neue Seiten geschaffen, um gezielter auf einzelne WA eingehen zu können.

Der Dynamismus (DMM) ist eine der dutzend Weltanschauungen (DWA), und damit Teil des Weltanschauungsprinzips (WAP). Dies gliedert sich wie folgt:

Die Hauptseite ist

Die weltanschauungsspezifischen Seiten sind

  1. Mathematizismus (MZM)
  2. Rationalismus (RAM)
  3. Idealismus (ILM)
  4. Psychismus (PCM)
  5. Pneumatismus (PTM)
  6. Spiritualismus (STM)
  7. Monadismus (MDM)
  8. Dynamismus (DMM) <—————–
  9. Realismus (REM)
  10. Phänomenalismus (PLM)
  11. Sensualismus (SSM)
  12. Materialismus (MLM)

Der Dynamismus ist in der ‘zodiakischen’ Auflistung (der Auflistung nach Tierkreiszeichen) an achter Stelle.

Viel Vergnügen beim Lesen!